Spülsalz für die Nasendusche selbstgemacht

Zusammenfassung:

Eine Nasenspülung ist eine sehr angenehme Sache bei Nasenproblemen (Schnupfen, Heuschnupfen, Sinusitis etc). Das geht mit 0,9%-iger Kochsalzlösung, aber zu empfehlen ist ist spezielles Salz, das den richtigen pH-Wert für die Nase hat, z.B. aus einem bekannten Kurort in Rheinland-Pfalz. Wenn man sich aber ansieht, dass dieses Salz in kleinen Beutelchen zu einem Kilopreis von 100 Euro verkauft wird, vergeht einem schnell die Lust an der befreienden Spülung. Das hier ist eine von mir benutzte Mischung, die eine gute Alternative zur einer Kochsalzspülung darstellt.

Inhalt

Zusammenfassung
Praktisches: so wird's gemacht
Auswiegen/Mischen
Portionierung
Hintergrund

Praktisches: so wird's gemacht

Das Mischungsverhältnis ergibt sich aus dem Hintergrund-Erläuterungen:

Die Zutaten

Einkaufsliste: Natron, Kochsalz, optional Kaliumsufat

Zunächst zum Kaliumsulfat K2SO4

bisher habe ich es einfach weggelassen. a) ist der Anteil sehr gering b) ist es nicht im Supermarkt zu bekommen. Die Apotheken, in denen ich gefragt habe, wollten es mir nur in einer teuren Grosspackung verkaufen, im Chemikalienversand bekommt man es für 100g (wenn, dann bitte reines) zu ca. 3 Euro, wenn man nicht drauf verzichten will. Wahrscheinlich verbessert es die Pufferstabilität, ich habe es noch nicht probiert, ob es einen spürbaren Unterschied gibt.

Natriumhydrogencarbonat NaHCO3

auch Natron genannt bekommt man im Backwarenregal in fast jedem Supermarkt, z.B. von Dr. Oetker als "Haus Natron" in der 200g-Packung zu um einen Euro, oder von Holste als "Kaiser Natron" in der 5x50g-Packung unter 2 Euro.

Kochsalz NaCl

Hier ist die Problematik, dass es selten chemisch reines Kochsalz als "Kochsalz" im Supermarkt gibt. Dem Salz wird immer ein Trennmittel zugesetzt, damit es nicht verklumpt, falls man beim Marathonlauf zufällig eine Packung in der Hosentasche trägt.

Die einzige Ausnahme, die mir bisher über den Weg gelaufen ist, gab es im Extra-Markt (1kg 59cent) von esco. "Küchen Salz, Siedesalz mittelgrob, ohne Zusatzstoffe". Interessanterweise klumpt es im Binnenland von Berlin genausowenig wie welches mit Trennmitteln...

Wenn man aber trotzdem kein Salz ohne Trennmittel auftreiben kann, dann sollte man etwas genauer gucken, welches Trennmittel verwendet wird.

Zulässige Trennmittel sind:

Diese Stoffe gelten alle in den vorkommenden Mengen als unbedenklich, jedoch sträuben sich meine Nackenhaare hoch, bei dem Gedanken, auf empfindliche Schleimhäute etwas mit "cyan" im Namen einwirken zu lassen, und sei die Menge noch so gering. Daher verwende ich niemals Salz, das die E-Nummern 53x enthält. Silikate (E55x) sind (im Essen) völlig neutral, denn sie sind nicht besonders gut löslich. Aber ich will mir doch den Staub aus der Nase rausspülen und nicht reinspülen, oder?

Calciumcarbonat (E170) ist Kalk bzw. Kreide (nicht die Schulkreide, denn die besteht nicht aus Kreide sondern aus Gips). Calciumcarbonat ist völlig unbedenklich, es gibt bei der Verwendungszulassung keinen Mengenobergrenzen, es ist auch in Bio/Okö-Lebensmitteln zugelassen. Ähnliches gilt für Magnesiumcarbonat (E504).

Fazit: ich achte beim Salzkauf darauf, dass es als Trennmittel ausschliesslich Calciumcarbonat oder Magnesiumcarbonat (E170 bzw. E504) enthält. Diese Salze bekommt man meist nicht für 10 cent die 500g-Packung, aber meist unter 80 cent (z.B. Bad Reichenhaller).

Was ist mit Jod- und/oder Fluor-Zusatz?

Verzichen Sie auf solche Zusätze.

Was das Salz im Essen angeht:
inwieweit über die Nahrung aufgenommenes Flour wirklich vor Karies schützt, ist umstritten. Flour führt man den Zähnen am besten mit der Zahnbürste zu.
Jod ist inzwischen in nahezu jedem Lebensmittel enthalten, viele Menschen haben schon unbewusst Probleme mit Überjodierung. Siehe http://www.jod-kritik.de, http://home.arcor.de/jodkrank. Jodiertes Salz sollten Sie deshalb nur dann verwenden, wenn es Ihnen vom Arzt wegen diagnostiziertem Jodmangel empfohlen worden ist.

Im Nasenspülsalz:
Wieviel von der Inhaltsstoffe im Nasenspülsalz über die Schleimhaut resorbiert wird, ist schwer zu sagen. Fakt ist aber, dass eines der Symptome einer Jodüberversorgung bzw. chronischen Jodvergiftung der sogenante "Jodschnupfen" ist, nämlich chronische Erkältungssymptome mit Dauerschnupfen. Diesen Schnupfen mit einer jodhaltigen Spülung lindern zu wollen, bedeutet die den Teufel mit dem Belzebub auszutreiben.

Auswiegen/Mischen

es ist eigentlich ganz einfach: auf die 200g, die in einer Natronpackung drin sind, wiege ich 95g Salz ab. Die Waage muss nicht supergenau sein, wenn es 100g sind, ist auch OK. Wenn ich noch Kaliumsulfat dazunehme, sollte die Waage etwas genauer sein (0,1g Auflösung, wenn ich auf 200g Natron mische, oder 1g Auflösung, wenn ich auf 2kg mische), denn 5% mehr oder weniger sind gerade mal 235mg Abweichung.

Das ganze werfe ich, möglichst löffelweise von jedem Häufchen, in ein genügend grosses Glas (sollte mindestens doppelt so gross sein) und danach schüttel ich das ganze Glas (Deckel drauf nicht vergessen) kräftig und intensiv durch.

Portionierung

Nasenspülsalzhersteller mit ähnlicher Mischung geben ca. 2.95 Gramm auf 250ml an. Es gibt aber auch Nasenduschen, die 200 ml fassen. Um einfach, aber halbwegs genau portionieren zu können, bastelt man sich ein Volumenmaß, das entsprechend viel Salz fasst. So etwas wird in Herstellung von kalibrierten Messlöffeln beschrieben.

Die Mengenangaben:

Nach meiner Messung hat die beschriebene Mischung eine Schüttdichte von 1.24 g/cm3. Das bedeutet:

Mischung für ml LösungGramm SpülsalzMesslöffelgrösse
100ml1,18g0,95ml
125ml1,48g1,2ml
200ml2,36g1,9ml
210ml2,48g2ml
250ml2,95g2,4ml

Man bastelt sich aus einer 2ml oder 5ml Injektionsspritze (in jeder Apotheke für ein paar cent erhältlich) einen ensprechenden Dosierlöffel.

Genauigkeit: in Herstellung von kalibrierten Messlöffeln wird beschrieben, wie wir unseren Löffel auf einen zehntel Milliliter zurechtschneiden können. Leide fehlt aber bei viele Nasenduschen eine Einfüllmarke, so dass es hier an der Genauigkeit hapert. Wenn man sich also bemüht, den Dosierlöffel halbwegs genau zu machen, sollte man auch einmal mit einem Messbecher die vorgesehene Menge in die Nasendusche einfüllen und mit einem wasserfesten Filzschreiber kalibrieren.

Hintergrund

Die Hersteller von Spülsalz (z.B. Siemens/Emser, Emcur, betapharm) geben auf den Packungen eine Analyse der Ionen an. Wesentliche Bestandteile sind:

Hauptbestandteilekleinere Mengensehr kleine Mengen
  • Na+
  • Cl-
  • HCO3-
  • CO32-
  • K+
  • SO42-
  • Br-
  • Ca2+
  • F-
  • Fe2+
  • I--
  • Li+
  • Mg2+
  • Mn2+
  • NO32-

Hier geht es nicht darum, ein Produkt in seiner Mineralzusammensetzung nachzuahmen, das Jahrtausende in der Erde gereift ist. Wer das haben will, sollte sich in den erwähnten Kurort begeben.

Hier geht es darum, auf preisgünstige Weise eine Salzmischung herzustellen, die dem Kur-Salz wesentlich ähnlicher ist, als die einfache Kochsalzlösung.

Im ersten Schritt fallen in dem selbstgemischten Spülsalz die sehr schwach vertretenen Anteile raus (so eine kleine Messerspitze hat man gar nicht), allenfalls die Mineralien, die die Tabelle in kleineren Mengen zeigt, haben eine Bedeutung. Auf dieses Ergebnis ist wohl auch die Firma betapharm gekommen, deren Nasenspülsalz nur noch Na+, K+, Cl-, HCO3-, SO42- enthält.

Ich habe einfach meine Kenntnisse aus dem Chemie-Unterricht rausgeholt und bin auf folgendes Ergebnis gekommen:

Ein (selbstgewichteter) Mittelwert der Analysen der verschiedenen Hersteller ergibt auf 1kg Salz:

Unter Zurhilfennahme des Periodensystems ergibt das in mol:

Wie man sich ein solches Ionen-Verhältnis zusammensetzt, bleibt jedem selbst überlassen. Vorschlag:

wieder in Gramm umgerechnet bedeutet das

oder auf 200 Gramm Hausnatron gerechnet:

Uber die Auswahl der Zutaten siehe Praktisches

© Florian Kölln 2004-2010
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